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SZENE HAMBURG: Stimmt es, dass die Trennungs- und Scheidungsraten nach Weihnachten ansteigen? DR. ELMAR BASSE: In den letzten Monaten des Jahres steigt der Bedarf an Beratung und Therapie sowohl bei Einzelmenschen als auch bei Paaren in der Regel an. Eine Ursache ist dafür schon, dass die Tage kürzer werden, es weniger Licht und mehr Dunkel gibt. Die Herbst- und die Winterzeit ist auch mehr die Zeit der inneren Einkehr, des Rückzugs in sich selbst. Zum Jahresende neigen wir dazu, das vergehende Jahr Revue passieren zu lassen, es für uns zu bewerten. Das neue Jahr steht zwar vor uns, und damit auch ein möglicher Aufbruch, aber wir spüren ihn noch nicht in uns. In der Vorbereitung darauf wollen wir ihn uns aber gerne “unbelastet” vorstellen. So liegt es nahe, dass in uns die Idee reift, die Probleme hinter uns lassen zu wollen, um dann spätestens im Frühjahr einen Aufbruch ins Neue zu wagen.
Wo sehen Sie die Gründe dafür? Wir assoziieren die Winterzeit gerne mit häuslicher Wärme und Geborgenheit - als Kontrastprogramm zur Kälte draußen. Wir sind darum auch besonders sensibel dafür, ob die partnerschaftliche Geborgenheit und Liebe noch da ist. Alles, was damit in Zusammenhang steht, ist potenzieller Sprengstoff für die Beziehung: Wenn einer der Partner zum Beispiel stark beruflich eingespannt ist, kann das in der Winterzeit besonders auffallen, da man sich verstärkt Nähe wünscht. Auch familiäre Pflichten, gegenüber der eigenen oder der Herkunftsfamilie, rücken hier in den Vordergrund, und es wird eher geprüft, inwieweit sie erfüllt werden. Schwierig kann es auch werden, wenn Paare “nebeneinander herleben” und die Alltagsroutine eingezogen ist auf Kosten einer partnerschaftlichen Idee, eines Projekts, einer Zukunftsvorstellung, zum Beispiel im Hinblick auf Familiengründung. Solche “Projekte” können einen eher durch den Winter tragen, weil sie mit Zukunft und Aufbruch verbunden werden. Deren Fehlen wird im Winter aber besonders deutlich spürbar, möglicherweise mit negativen Folgen für die Beziehung.
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